Die Jahre 10 - 15 meines Lebens

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«Spring aus dem Fenster, ich bezahle dir lieber einen Grabstein als dich noch länger hier zu haben» - Dieser Satz hat sich tief eingebrannt in mein Herz. Ich weiss noch, wie sie mich angestarrt hat. Der Hass und Abgrund in ihren Augen, die Hand erhoben, bereit zuzuschlagen. Einmal mehr, ich war bereits ein junger Teenager, um die 12 Jahre, brach Streit vom Zaun und sie jagte mir nach in mein Zimmer, meine letzte Zuflucht in der Wohnung. Eigentlich hätte ich stehen bleiben können, denn sie liess in solchen Momenten nie, und das meine ich, nie locker und provozierte bis zum letzten und das waren Schläge ins Gesicht und den Magen. Irgendwann war ich es leid und stellte ihr ein Ultimatum: «Du hast drei Schläge frei, den vierten werde ich zurückgeben...». Ja, wir hatten Mutter Tochter Schlägereien und es tat weh. Nicht so sehr körperlich, aber in meinem Bauch und Herzen. Zu dieser Zeit litt ich oft an Verstopfung, Nierenbeckenentzündungen und kurz vor meinem 11. Lebensjahr wurden mir die Mandeln entfernt, mit Komplikationen. Zuvor litt ich gefühlt jeden Monat an starken Halsschmerzen und bekam vom Hausarzt irgend etwas gespritzt. Er legte seine Hand präzise auf meinen Hüftknochen, stach zu und spritzte. Zurück blieb ein kleines «Loch».

Meine Mutter war eine kleine Person, ca. 160 cm gross und ich schlug ganz aus der Familie. Mit 14 erhielt ich meinen ersten Ausweis. Damals war ich bereits so gross wie heute, 176 cm. Ich nutze diese Tatsache, denn jetzt konnte ich auf sie herunterschauen und sie musste hochschauen. Dies in vielerlei Hinsicht, und irgendwie wurde ihr bewusst, dass sich etwas änderte. Ich kam in die Pubertät und sie in ihre Abänderung. Während dieser Zeit war sie für einige Jahre 42 Jahre alt. Aus was für Gründen auch immer, wurde in der Schule das Alter der Mutter abgefragt und meine war immer.... 42. Keines der Kinder wusste, wie alt sie war zu dieser Zeit.

Ich entwickelte ein extremes Gedächtnis für «Streit». Es verging kein Tag ohne «Auffälligkeiten». Manchmal wurde mein Lehrer, der einzige erwachsene Mensch in dieser Zeit, der mich nicht verurteilte, sondern sogar verstand, mitten aus der Stunde ans Telefon gerufen. Es entwickelte sich ein Muster. In den allermeisten Fällen war es meine Mutter, was zur Folge hatte, dass er mich vor die Türe rief, um meine Seite der mir zu Anfang noch unbekannten Geschichte abzuhören. In ihrer Version war ich eine Hure, schlief mit meinem Stiefvater, und zerstörte die Familie. Dieses Grundthema erfuhr verschiedene Variationen und mein Lehrer machte sich sein eigenes Bild. Ich schlief nicht mit meinem Stiefvater, aber hatte meine ersten sexuellen Partner ab ca. 11 Jahre. Sie schienen meine Zuflucht und Ablenkung zu sein und erst viele Jahre später wurde mir klar, dass dies ebenfalls ein Muster meiner Mutter war, denn sie hatte immer ihren Körper und Sex bei ihren Männern zur Bindung eingesetzt, denn auch darüber sprach ich mit meinen Vätern vor ihrem Tod.

Das messerscharfe Gedächtnis war mein «Schutz», denn ich konnte bis auf mindestens ein halbes Jahr zurück alle Stichworte, Zeit und Situation abrufen, die sie mir als «Schuldzuweisung» servieren wollte. Ich nutze diese Fähigkeit, aber sie war nicht gesund. Eines Tages beschloss ich, jeden Streit nach drei Tagen zu vergessen. Ich entschied, dass es so wohl besser wäre und tat es. Viele Jahre später nutzte ich es wieder, um konstruktive Informationen abrufbar zu machen und bis heute hilft es mir, mich in Situationen und Geschichten zu erinnern, auch wenn sie schon lange zurückliegen.

Vergessen, zu meiner Zeit im Elternhaus war einfach Notwehr, denn meine Festplatte wurde immer wieder bis zum Absturz überfüllt. Und Abstürze hatte ich. Darum bot sich vorübergehend die 3 Tage Speicher Version an.

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